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Leitfaden. Projekt abgeschlossen!






"Ich habe aufgehört allein in Cafés, Bistros oder Kneipen zu gehen."

Hintergrund:
Betrachtet man unser gesellschaftliches Leben aus der Sicht von Minderheiten, werden Unstimmigkeiten schnell deutlich. Menschen mit Behinderungen gehören noch immer zu den am stärksten benachteiligten Gruppen unserer Gesellschaft.
Da ihnen oftmals die Möglichkeiten, ein unabhängiges Leben zu führen, vorenthalten werden, sind Menschen mit Behinderungen in der Mehrzahl auf die Hilfe anderer angewiesen.

Weltweit leben 650 Millionen Menschen mit Behinderung. Das sind etwa 10% der Weltbevölkerung und somit die „größte Minderheit“. In Deutschland leben etwa 10 Millionen Menschen mit Behinderung. Das macht 12,2 % der Gesamtbevölkerung aus.

Die Gleichwertigkeit aller Menschen gehört zu den zentralen Werten einer humanen Gesellschaft. Und gerade deshalb stellt sich die Frage, wie es mit der Gleichwertigkeit der Minderheiten aussieht.

Barrierefreiheit betrifft uns alle und muss gerade im Design mehr an Aufmerksamkeit gewinnen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die ein Produkt leichter nutzbar machen und für alle Verwendung finden.

Die Abwesenheit von Nutzungsbarrieren sollte im Design selbstverständlich sein. Jedoch ist dies noch nicht der Fall.
In Restaurants und Cafés finden sich beispielsweise kaum Hilfsmittel, die ohne Sehsinn eine Orientierung am Tisch ermöglichen. So entstehen Unsicherheit und eine Einschränkung des Raumverständnisses.

Die Idee:

Katharina Brock, Franziska Broz und Benny Adler, drei Jungdesigner, haben sich dieses Problems angenommen.
Ihre Idee besteht darin, Tischdecken neben ihrer schützenden und dekorativen Funktion einen zusätzlichen, neuartigen Nutzen hinzuzufügen: Sticklinien auf der Tischdecke laden dazu ein, die Oberfläche haptisch zu erkunden. Sie definieren die Bereiche für die vorhandenen Gegenstände am Esstisch. Erhabene Leitlinien auf der Tischdeckenoberfläche definieren einen sicheren Bereich, in dem sich der Sehbehinderte bzw. Blinde zurechtfinden kann.
Die Linien geben eine haptische Orientierung und führen den Benutzer so zu Teller, Glas und Besteck. Zusätzlich führt eine Hauptlinie zum Tischmittelpunkt, wo sich z. B. Salz- und Pfefferstreuer befinden können. Diese Hauptlinie vermittelt zudem eine Vorstellung der Tischgröße.
Das Orientierungssystem der Tischdecke bricht die Barrieren zwischen sehenden und sehbehinderten Menschen auf und bietet zudem dem Kellner eine Orientierungshilfe beim Eindecken.

Das Leitsystem hilft somit die Kommunikationsbarrieren aufzulösen und fördert die Inklusion von Blinden und sehbehinderten Menschen in den öffentlichen Raum.
Produkte für Menschen mit besonderen Bedürfnissen weisen einen äußerst geringen Absatzmarkt auf, weswegen sie aufgrund ihres hohen Preises für behinderte Menschen kaum erschwinglich sind.
So auch für die über 1,2 Millionen Blinden in Deutschland (WHO). Das Produkt „Leitfaden“ soll nicht explizit ein Hilfsmittel für Blinde sein, sondern ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand mit Mehrwert.

Somit wird eine größere Interessengruppe angesprochen, wodurch eine Kostenreduzierung des Produkts ermöglicht wird.
Das Ziel hierbei ist es, einen Zugang für alle zu ermöglichen und nicht von einer Norm auszugehen, die automatisch Minderheiten ausschließt.

Vorgehen und Lösungsansatz:
Enactus Braunschweig unterstützt dieses wichtige Vorhaben und versucht in Kooperation mit den Jungdesignern ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.
Im Zuge der Projektarbeit stellte sich heraus, dass die Kosten für die Bestickung einer Tischdecke deutlich höher sind als zuvor angenommen. Um die Kosten in der Produktion zu senken, entstand die Idee, das Prinzip der Leitlinien von der Tischdecke auf kleinere Platzsets zu übertragen.
Der geringere Material- und Kosteneinsatz bewirkt ein größeres Marktpotential, bei gleichbleibendem Ergebnis.
Die Konzeption eines Platzsets macht es außerdem möglich, unterschiedliche Tischformate zu bedienen.
In einem Kooperationsprojekt mit dem Blindenverein Braunschweig wurde ein Prototyp der ursprünglichen Tischdecke entwickelt, und in Hinblick auf Funktionalität und intuitive Handhabung getestet und mit Begeisterung angenommen.

Die nötigen Rechte wurden bereits geprüft und ein Gebrauchsmuster für den deutschen Markt eingetragen.
Im Rahmen weiterer Tests, die mithilfe von sehbehinderten Menschen durchgeführt werden, sollen die entstehenden Platzsets dem Praxistest unterzogen und so weiter optimiert werden. Gleichzeitig wird die Beständigkeit des Materials geprüft, um eine hohe Qualität mit entsprechender Lebensdauer zu gewährleisten.
Die Fertigung selbst wird in Kooperation mit einem Textilhersteller erfolgen, welcher die vollständige Produktion übernimmt und die notwendigen Zertifizierungen für den deutschen Markt vornimmt.
Auf Anfrage konnten bereits erste Textilunternehmen als potentielle Produktionspartner in Erfahrung gebracht werden. Langfristig ist davon auszugehen, dass der technologische Fortschritt und das bessere Marktverständnis dazu führen, dass ein Produktionspartner oder ein Produktionsverfahren gefunden wird, um eine kostengünstigere und somit konkurrenzfähigere Produktion zu gewährleisten.

Aussicht:
Das Design des Platzsets wird weiter optimiert, um einen produktionsfähigen Prototypen zu erhalten.
Weiterhin werden alternative Produktionsarten recherchiert und bewertet sowie ein passender Produktionspartner gesucht.
Anschließend wird eine Nullserie mit Unterstützung der Bürgerstiftung Braunschweig produziert und in einer Einrichtung mit blinden und sehbehinderten Menschen auf Herz und Nieren geprüft.
Danach wird es eine öffentliche Infokampagne geben sowie Restaurants und Altenheime als potenzielle Abnehmer akquiriert.

 

Kontakt

www.leit-faden.de

 

Pressemitteilungen über Leitfaden

Mannheimer Morgen: Clevere Stromsparer und Tischdecken für Blinde

 

Projektleitung

Anna1
Anna Eilmes

a.eilmes@sife-braunschweig.de